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1910/11 - Die Eingemeindung Praunheims

Im Jahre 1911 wurde Praunheim mit damals 1413 Einwohnern auf einer Fläche von 455 Hektar in die Stadt Frankfurt am Main eingemeindet. Dies entsprach dem ehrgeizigem Ziel des damaligen Frankfurter Oberbürgermeisters Dr. Franz Adickes, mit der Eingemeindung sämtlicher Orte des Landkreises den Stadtkreis Großfrankfurt zu schaffen.

Lange und zähe Verhandlungen gingen dem Eingemeindungsvertrag vom 01.April 1910 voraus. Die städtische Politik wollte unbedingt verhindern, dass Vororte - wie anders wo - zu ungeahnter Größe und Bedeutung gelangen und die benachbarte Großstadt in ihrer eigenen Entwicklung behindern.

Der Frankfurter General-Anzeiger schrieb damals: "Die Stadt Frankfurt würde nach Durchführung dieses großzügigen Projekts eine ganz andere Entwicklung nehmen können, als dies bisher möglich war. Die engherzige Politik mancher Vororte wird mit einem Schlag beseitigt werden, die Verkehrsbedingungen nach allen Teilen des großen Gebietes werden sich in ganz vorzüglicher Weise durchführen lassen, und es wird dann auch möglich sein, viele Tausende, die jetzt in der eigentlichen Stadt Frankfurt am Main wohnen, draußen in den Vororten billiger und besser unterzubringen."

Wo aber lag der Vorteil für die Praunheimer, die damals überwiegend von der Landwirtschaft lebten, eifrig bauten, einen regen Zustrom an Menschen verzeichnen konnten, in günstigen Finanz- und Steuerverhältnissen lebten und denen mit der Eingemeindung angekündigt worden war, dass durch die beabsichtigten Vorausbelastungen die meisten Praunheimer als Haus- und Grundbesitzer künftig erheblich höher besteuert werden sollten?

Dies erklärt die geringen Neigungen der Praunheimer fur die Eingemeindung. Ausschlaggebend war schließlich auch hier der Wunsch, möglichst bald eine direkte Verkehrsanbindung an Frankfurt zu erhalten. Die Stadt Frankfurt kam mit erleichternden Übergangsregelungen entgegen und mit den beiden Versprechen, bis zum 1. Oktober 1912 mit einer Straßenbahn den Vorort an die Stadt anzubinden und bis zum 1. April 1920 Praunheim zu kanalisieren.

Die Erfüllung beider Versprechen ließ auf sich warten.

1911 Die Gründung des Bezirksvereins

Die ehrgeizigen Ziele der Frankfurter Stadtpolitik und die Preisgabe der ortsnahen Verwaltung der Praunheimer ließen es geraten erscheinen, sehr früh und entschieden die Interessen der Praunheimer gegenüber der neuen Stadtverwaltung zu vertreten.
So wurde als Interessenvertretung der Gemeinde - auch als Zeichen der Verbundenheit der bisherigen Einwohner - noch 1911 von 31 Praunheimer Bürgern ein Bezirksverein gegründet. (Dieser wurde sehr viel später nach seiner Wiedergründung in Bürgerverein umbenannt.)

Die namentliche Liste der Gründer ist uns noch erhalten:

Namentliche Liste der Gründer des Bezirksvereins Praunheim im Jahre 1911

1. Nikolaus Bernhardt
2. Christian Berner
3. Reinhard Bernhardt Rommel
4. Heinrich Christoph
5. Heinrich Euler II
6. Heinrich Euler III
7. Karl Frischmann
8. Ludwig Frischmann
9. Philipp Euler
10. Eduard Ruth
11. Andreas Hertlein
12. Hartmann Hebe
13. Heinrich Hofmann
14. Andreas Knebel
15. Heinrich Neumann
16. Adam Otto
17. Ludwig Pfeil
18. Jakob Ruppel
20. Heinrich Schweizer
21. Jakob Schwarz
22. Jean Simon
23. Wilhelm Schreyvogel
24. Nikolaus Schütz
25. Friedrich Wilhelm
26. Philipp Windecker
27. Balthasar Wenzel
28. Heinrich Wenzel
29. Wilhelm Walter
30. Fritz Winter
31. Heinrich Schneider

Dieser Praunheimer Bürgerverein (Bezirksverein) wachte darüber, dass die im Eingemeindungsvertrag gemachten Zusagen der Stadt Frankfurt am Main
auch verwirklicht wurden.

Die für 1912 versprochene Straßenbahn fuhr endlich 1913 bis zur Praunheimer Brücke. Die Kanalisation wurde erst Anfang 1960 gelegt. Die Straßenbahn endete zunächst am Schönhof. Lange bemühte sich der Bürgerverein auch um eine bessere Verbindung nach Heddernheim; 1928 wurde eine Omnibuslinie eingerichtet. In den 30er Jahren wurde die Heerstraße ausgebaut.

Bei der Nidda-Regulierung in den Jahren 1927/1929, und bis auf den heutigen Tag, hat sich der Bürgerverein insbesondere für die Erhaltung der Naturschönheiten entlang des Niddalaufes, für die Praunheimer Mühle, gegen Hochhäuser im Niddatal, gegen eine Tennisgroßanlage, gegen eine groß dimensionierte Brücke über die Nidda und viele andere drohende Absichten eingesetzt.

Als nach dem Bau der May-Siedlung Praunheim die Verhältnisse in der Schule in Alt-Praunheim unzureichend wurden, bemühte sich der Bürgerverein um die frühzeitige Fertigstellung der Ebelfeld-Schule (damals noch Hindenburg-Schule). Erreicht wurde die Vergrößerung des Praunheimer Friedhofes, so dass nunmehr wieder alle Praunheimer auf ihrem Friedhof beigesetzt werden können.