Rund um die Zehntscheune

Große Akzeptanz: Das Zehntscheunenfest

Um die Sanierung der Zehntscheune - anfänglich geschätzte Baukosten bis zu 700.000 DM - überhaupt in einen realistischen Bereich rücken zu können, langte das Vereinsvermögen bei weitem nicht. Ein Kassensturz zu Beginn des Jahres 1984 hatte nur ein Prozent der erforderlichen Bausumme, nämlich 7.000 Mark, ergeben. Die zu erwartenden Mitgliederbeiträge beliefen sich in jenem Jahr auf rund 4.000 Mark. Trotz der Bereitschaft, ein großes Eigenleistungs-Pensum absolvieren zu wollen, bereitete die Mittelbeschaffung zunächst erhebliches Kopfzerbrechen. Um die Umwidmung der Zehntscheune vom Baulager in eine Stätte der Begegnung publik zu machen, wurde die Idee geboren, ein großes Straßenfest zu veranstalten. Dieses sollte fortan den Namen "Zehntscheunenfest" tragen und die Kasse füllen helfen - eine sehr optimistische Annahme.

Auf dem Gelände des ehemaligen Spielplatzes errichtete der Verein einen Weinstand - der übrigens noch sehr lange als solcher zum Einsatz kommen sollte - und lieh sich einen Getränkestand vom Roten Kreuz Königsstein. Auch für Gegrilltes war in ausreichendem Maße gesorgt. Solchermaßen ausgestattet, erlebte das Fest am 7. und 8. Juli 1984 seine Premiere, wobei ein schier unermüdlicher Alleinunterhalter die Gäste bei Laune hielt. Die Resonanz bei Presse und Besuchern war gleichermaßen positiv, und auch der Kassenwart strahlte, denn man hatte einen kleinen Überschuss erwirtschaftet.

Ermutigt durch das erste Fest, ließ der Verein die Planung für das nächste auf dem Fuße folgen. Diesmal hatte man die Scheune bereits einbezogen und ließ sie für die Veranstaltung am 6. und 7. Juli 1985 leer räumen. In und vor der Scheune gruppierten die Praunheimer Gewerbetreibenden ihre Stände. Die Stahlrohrbühne vor dem Pfarrhaus diente dem Praunheimer Friseurhandwerk als Plattform für preiswerte Haarschnitte vor versammeltem Publikum.

Die "Leidersbacher", eine Kapelle, die das Fest noch 20 Jahre später musikalisch begleitete, spielten in einem 200-Mannzelt auf dem Spielplatz auf. Nomen est omen!

Eine Talkrunde mit Uwe Günzler und - unter anderem - unserem Ehrenmitglied Liesel Christ rundete das Fest ab. 1986 fiel das Fest aus internen Gründen leider aus. Der 1987 neu gewählte Vorstand, ging mit viel Elan und neuen Ideen an die Arbeit, um das Zehntscheunenfest zu institutionalisieren. Dank der vielen ehrenamtlichen Helfer ist das Fest seit 1987 im Frankfurter Veranstaltungskalender nicht nur zu einer festen Größe herangewachsen, sondern rangiert mittlerweile in der Beliebtheitsskala Frankfurter Straßenfeste ganz oben.
Premiere feierte beim 10. Zehntscheunenfest ein 1.200-Mann-Zelt, das auf der anderen Seite des Altarrns der Nidda errichtet wurde. Eine Pontonbrücke, gebaut vom THW, Ortsgruppe Hanau, verband diese Festgeländeerweiterung mit dem Scheunenbereich.

Diese neue Festdimension wurde durch ein großartiges Höhenfeuerwerk an der Nidda gekrönt.

Das seither auf drei Tage ausgedehnte Fest wartet mit vielen alten Bekannten auf. Dazu gehören Karl-Heinz Henkel, Andy Lippmann, Lother Väth, Franzl, die Happy-Singers , die Leidersbacher Musikanten, Heiderebellen, Gypsys, fullstop, Bernd Schütz, Wheels, Candles und schon seit vielen Jahren das Highlight Roy Hammer und die Pralinees. Gastauftritte anderer renommierter Musikformationen prägten das musikalische Bild.

Man erinnere sich an die Frühschoppen im Festzelt mit den" STEPS" oder The Fab Four. Sportliche Betätigung steht seit 2004 ebenfalls auf dem Programm. Im gleichen Jahr wurde anlässlich der 1200-Jahrfeier Praunheims ein Mittelaltermarkt mit Programm geboten, den wir in absehbarer Zeit wiederholen möchten.

Gesellige Höhepunkte

Die erste Dekade seit der Jahrtausendwende bot den Zehntscheunenbesuchern auch außerhalb des traditionellen Festes ein abwechslungsreiches Programm. So hatte sich der Bürgerverein erfolgreich um die Wiedergeburt alter Praunheimer Jazz-Tradition bemüht.

Nicht weniger als sechs Bands mit unterschiedlichen Stilrichtungen luden im Wechsel der Jahre zum Frühschoppen ein. Derr Jazzfrühschoppen und gelegentliche Jazz-Nights sind aus der Zehntscheune nicht mehr wegzudenken.

Der ungarische Geigenvirtuose Imre Kale, 1989 erstmals mit seinem Ensemble in der Zehntscheune, entführte die begeisterten Zuhörer in die Welt der Zigeunermusik, der Operette und des Musicals. Viele hochkarätige Künstler Opernsänger und -sängerinnen fanden besonders bei den Neujahrskonzerten in der Zehntscheune ein gutes Auditorium. Schließlich zieht auch das, ein Mal monatlich in der Scheune abgehaltene, Offene Singen viele stimmgewaltige Praunheimer an - manchmal ist die " Bude rappelvoll ". Zu den Highlights gehörte das Neujahrskonzert 2011 mit dem Kammerensemble der Rheinischen Philharmonie, Koblenz, bei dem die Zehntscheune mal wieder ausverkauft war!

Zum Wohle der Bürger Praunheims

Einen besonderen Tusch verdient der Vorstand des Praunheimer Bürgervereins anlässlich des 100. Vereinsjubiläums: Trotz der gewaltigen Zehntscheuneninvestitionen steht er mit keinem Cent im Soll. "Die Belange des Bürgers in einem zeitgemäßen Sinne erkennbar zu machen und sie in einer lebhaften Anteilnahme an der Gestaltung der öffentlichen Dinge und Probleme darzustellen", formulierte seinerzeit



Wolfgang Grote, 1969-1986 Vizepräsident des Verbandes Deutscher Bürgervereine, den Kernpunkt der Vereinsarbeit.
Und diesen Punkt trifft der Zusammenschluss von Praunheimer Bürgern zum Wohle des Gemeinwesens wie den Nagel auf den Kopf.

Hobbykünstlermarkt in den Praunheimer
Werkstätten

Einmal im Jahr, nämlich am ersten Adventswochenende, gastiert hier der Hobbykünstlermarkt mit einem breiten Spektrum vom Kunstwerk bis zum Kunsthandwerk. Dank des Engagements vom Bürgerverein sowie vieler freiwilliger Helfer sind diese Ausstellungen mit zahlreichen, wechselnden Ausstellern stets von Erfolg gekrönt. Stellvertretend für die Kunstschaffenden seien hier einige Namen genannt: Herbert Hoffmann mit Zeichnungen und Fotos, Karin Kammer mit ihren entzückenden Porzellanpuppen, Keramikarbeiten von Liselotte Wicht und Barbara Thomas, Holzschnitzereien des Ehepaars Watzlawek, Puppen und Puppenkleider von Liselotte Henig sowie Schmuck von Gerlinde Weichselbaumer. An den Stellwänden prangten unter anderem Gemälde von Hans W. Balzer, Ernst Hilbert, dem Malkreis des Bürgervereins unter Leitung von Heinz Mann, Thomas Zach und Kerstin Lichtblau. Über zwanzig Jahre hinweg diesem Adventsmarkt treu blieben mit ihren Gemälden Willi Petri, der auch Fenster für die Auferstehungskirche gestaltet hat, und Bärbel Hansmann. Bärbel bot neben Bildern auch schöne Postkarten mit Alt-Praunheimer Motiven an.